Das systemische Mitarbeitergespräch - Interview mit René Laxy
Die meisten Mitarbeitergespräche scheitern nicht an schlechten Formulierungen. Sie scheitern daran, dass die Führungskraft zu viele Antworten gibt. René Laxy begleitet seit über 23 Jahren Führungskräfte in schwierigen Gesprächen. Im Interview mit Gero Hesse auf SAATKORN stellt er sein Buch «Das systemische Mitarbeitergespräch» vor. Seine Grundthese: Menschen setzen um, was sie selbst erkannt haben – nicht, was man ihnen rät. Sein Beispiel kennen Sie vermutlich. Die Führungskraft schildert sauber Wahrnehmung, Wirkung und Wunsch. Die Mitarbeiterin hört zu, nickt. Drei Wochen später ist alles wie vorher. Im systemischen Gespräch fragt die Führungskraft stattdessen nach dem Kontext, nach der Wirkung aus Sicht der Mitarbeiterin – und lässt sie die Lösung selbst entwickeln. Wer ständig Lösungen liefert, erzeugt Abhängigkeit und diffuse Verantwortung. Bemerkenswert finde ich Laxys Blick auf das «Ja, mache ich». Oft sei das nur eine Höflichkeitsformel. Verbindlich wird es erst, wenn Handlung, Termin, mögliche Hindernisse und ein Follow-up besprochen sind. Laxy zieht auch klare Grenzen: Bei Krisen, Abmahnungen oder Burnout-Anzeichen braucht es Entscheidungen und Fürsorge, keine Fragetechnik. Und zwischen Tür und Angel funktioniert der Ansatz nicht. Sein Tipp für den Einstieg ist einfach: Vor dem nächsten Gespräch zwei, drei Fragen auf eine Karte schreiben. Für HR heisst das: Ein einmaliger Workshop reicht nicht. Es braucht ein gemeinsames Führungsverständnis und Begleitung über Zeit. Wann haben Sie in einem Gespräch zuletzt bewusst auf die fertige Antwort verzichtet?
